Die alte Schweizerin gegen die moderne Japanerin – ein Vergleich zweier Welten
Heutzutage ist der japanische Hersteller „analogis [ JC ]“ in aller Munde – und Ohr. Die in Japan gefertigten Nadeln stehen für solide Qualität, präzise Fertigung und faire Preise. Noch vor einigen Jahren war die Lage genau andersherum: Die audiophile Welt schwärmte von den Schweizer Produkten, vertrieben unter Labels wie „Stylus Company“ oder „analogis“. Die japanische Alternative kam oft nur dann zum Zug, wenn keine Schweizer Version verfügbar war.
Umso spannender ist der direkte Vergleich zweier Nadeln aus diesen Epochen – quasi die „gute alte Schweizerin“ gegen die Japanerin.
Die Kontrahenten im Test:
- Schweizer Ausführung: Excel S-70 EX mit parabolischem Schliff
- Japanische Ausführung: [ JC ] mit Shibata-Schliff
Allgemeines Klangbild:
Beide Nadeln liefern eine beeindruckend hohe Klangqualität. Die feinen Unterschiede offenbaren sich vor allem bei kritischem Hören an hochwertigen Systemen.
Die Shibata-Nadel wirkt im direkten Vergleich etwas diskreter und zurückhaltender. Sie zeichnet eine sehr schön geschlossene Bühne mit hoher Ortbarkeit und einer angenehmen Studio-Präzision. Besonders bei akustischer Musik spielt sie ihre Stärken aus: Stimmen stehen stabil im Raum, Zupfinstrumente klingen klar und definiert, und das Stereobild bleibt auch in komplexeren Passagen transparent und sauber. Der Hochtonbereich ist fein aufgelöst, klar und gleichzeitig angenehm ohne Anstrengung.
Die Schweizer Nadel mit parabolischem Schliff hingegen besticht durch eine direktere Ansprache und vermittelt einen lebendigen, fast charmant-musikalischen Charakter. Ihre Mikrodynamik ist ausgesprochen angenehm – feine Lautstärkeabstufungen bei Gesang oder leisem Gitarrenspiel werden sehr nuanciert wiedergegeben. Damit ist sie der ideale Partner für kleine Jazz- oder Kammermusik-Aufnahmen, aber auch für 70er-Jahre-Pop oder Live-Soul.
Beide Nadeln haben ihre Stärken: Die Shibata punktet mit Klarheit, Raumabbildung und technischer Präzision, während die Schweizerin mit einer musikalischen, emotional mitreißenden Wiedergabe überzeugt, die einfach Spaß macht.
Obwohl die Shibata technisch überlegen wirkt, hat die „alte Schweizerin“ in diesem Test klanglich gewonnen – zumindest nach subjektivem Empfinden. Dazu kommt, dass sie preislich attraktiver ist und bei gutem Zustand weiterhin eine klare Empfehlung darstellt. Wer ein „analoges Gesamtgefühl“ sucht, wird hier sehr glücklich.
Empfehlung:
Für Liebhaber klassischer Musik, Jazz, Gesang und akustischer Instrumente – vor allem auf älteren Pressungen – ist die Schweizer Nadel ein echter Geheimtipp. Die Shibata eignet sich dagegen hervorragend für audiophile Pressungen, moderne Vinylproduktionen oder als Upgrade für anspruchsvolle Hörer mit präzise eingestelltem Setup.
Technischer Hintergrund: Schliffarten im Vergleich
Parabolischer Schliff (Schweizerin):
Ein klassischer, leicht elliptisch modifizierter Rundschliff, der eine solide Spurtreue und eine harmonische Hochtonwiedergabe ermöglicht. Parabolische Nadeln wurden früher häufig eingesetzt, da sie im Verhältnis von Fertigungsaufwand zu Klangbild überzeugen. Sie tasten gut, sind robust und verzeihen kleinere Justagefehler. Ihre Stärke ist ein musikalischer, angenehmer Gesamtklang, der nie anstrengend wirkt – ideal für lange Hörsessions.
Shibata-Schliff (Japanerin):
Ein komplexer, line-kontakt-ähnlicher Schliff mit langer Auflagefläche im Rillenflankenbereich und feiner vertikaler Ausdehnung. Ursprünglich für Quadrophonie (CD-4) entwickelt – ähnlich wie der parabolische Schliff – ermöglicht er eine besonders detailreiche Abtastung hoher Frequenzen. Shibata-Nadeln bieten eine höhere Detailauflösung, eine ruhigere Rillenführung und damit eine stabilere Bühnenabbildung. Allerdings sind sie empfindlicher gegenüber Justage und erfordern sorgfältige Einstellung von Azimut und Überhang.
Anmerkung:
Der Excel ES-70EX4 Tonabnehmer besitzt eine vergleichsweise geringe Bauhöhe. Wer öfter den Tonabnehmer wechselt und seinen Tonarm in der Höhe anpassen möchte oder kann, sollte den Einsatz von VTA-Justagehilfen wie den RassBones in Betracht ziehen:

